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In ihrem zweiten Produktionsjahr 1954 brachte die Guild Guitar Company eine handlichere Version ihrer Jazzgitarren auf den Markt, die M-75 Aristocrat, wobei das M in der Modellbezeichnung für Midget, also Zwerg, steht. Als erstes Guild-Instrument verfügt sie über eine 24 3/4" Mensur, 22 Bünde und ein Griffbrett aus Brazilian Rosewood wie eine Gibson Pes Paul, der sie zwar ähnlich sieht, von der sich ihre Hollowbody Konstruktion und damit ihr Sound deutlich unterscheidet; vom Aufbau her wäre sie eher mit einer Gretsch Duo Jet vergleichbar, die jedoch wesentlich twangiger tönt.

Ausstattungsmerkmale:
- Hals aus zwei Teilen Honduras Mahagoni, die mit einem schmalen
  Ahornstreifen gesperrt sind
- Guild "Chesterfield" Logo in der Kopfplatte eingelegt
- Korpus mit massivem Boden plus Zargen aus Honduras Mahagoni mit
  massiver einteiliger Fichtendecke
- Elektrik: die originalen Franz Pickups wurden durch kräftiger und bluesiger
  klingende P90 Soapbars ersetzt, Switchcraft 3-Way Toggle Tip, Volume &
  Tone Regler mit transparenten Knöpfen, Astron Tone Caps,
  Switchcraft Klinkenbuchse in der unteren Zarge
- auf der Decke sitzende zweiteilige Brücke aus Brazilian Rosewood
- vergoldetes Guild Harp Tailpiece (von Johan Müller & Sohn in Erlangen
  hergestellt)
- vergoldete Kluson Deluxe Mechaniken mit den kleinen sog. Kidney Wings

Nimmt man diese 1957er M-75 in die Hand, fällt als erstes ihr besonders leichtes Gewicht auf. Der Hals mit einer 24 3/4" Mensur und Medium-C Profil liegt bestens in der Hand und lässt sich mit den mittelbreiten und mittelhohen Bünden prima bespielen. Allerdings wurde das mit dem vorliegende Exemplar auch reichlich getan, wovon so einige Kratzer und abgespielte Stellen am Hals zeugen. Dafür schwingt die Aristocrat entsprechend intensiv. Blues Gitarristen wird ihr semi-akustischer Tone mit den beiden nicht-originalen P90 Soapbars sicher super gefallen, vor allem, da dieses Instrument weniger Feedback-anfällig ist als bspw. eine ES-330. Aber auch Gitarristen mit Sinn für Spezielles in den Bereichen Jazz, Americana und Brit Pop sollten dieses Instrument antesten.

In den späten 1950er Jahren spielte John Lee Hooker eine Guild Aristocrat. Aber auch der New Yorker Avantgarde-Gitarrist Marc Ribot, u.a. bekannt durch seine Mitarbeit an Alben von Tom Waits, Alisson Krauss & Robert Plant und Norah Jones, besaß lange Jahre eine 1954er. Doyle Bramhall II erzählte mir, dass er seine vintage M-75 oft im Studio benutzt, u.a. auch bei Gregg Allmans Low Country Blues. John Mayer setzt seine Aristocrat immer wieder bei bluesigen Balladen ein, wie z.B. hier. Hierzulande ist der treueste Aristocrat-Spieler das Hamburger Blues-Urgestein Abbi Wallenstein.

Hersteller: Guild Guitars Inc.
Herkunftsland: Hoboken, NewJersey, USA
Modell: Aristocrat M-75
Baujahr: 1957
Seriennummer: 5539
Farbe: Sunburst
Hals:
- Mensur: 24 3/4"
- Sattelbreite: 1 5/8" (ca. 41,5 mm)
- Sattel: Knochen
- Holz: zwei Teile Honduras Mahagoni, gesperrt mit dünnem Ahorn-Streifen
- Griffbrett: Brazilian Rosewood mit rechteckigen Einlagen
  (EG-Bescheinigung gemäß CITES)
- Bünde: 22 x Medium (ersetzt)
- Profil: Medium-C
- Lackierung: Nitro
- Mechaniken: vergoldete Single-Line/Single-Ring Kluson Deluxe Tuners
Korpus: chambered
- Hals/Korpus-Verbindung: verleimt
- Holz: Mahagoni einteilig, massive einteilige Fichtendecke
- Lackierung: Nitro
- Tonabnehmer: 2 x P90 Soapbars (Replacements)
- Potentiometer & Tone Caps: orig. 4 x 500k Ohm Centralab
  (pro Tonabnehmer jeweils Volume & Tone) mit 2 x .5 MFD Tone
  Kondensatoren (1 x roter Astron, 1 keramischer Scheiben-) im Koffer
- Schalter: Switchcraft 3-way Toggle mit Amber Tip
- Reglerknöpfe: transparente Kunststoffknöpfe, auf der Unterseite
  gold lackiert
- Brücke: auf Gewindestangen mit Metallfüßen sitzende, in der Höhe
  verstellbare kompensierte Brücke aus Brazilian Rosewood
  (EG-Bescheinigung gem. CITES)
- Saitenhalter: vergoldetes Guild Harp Tailpiece
Gewicht: ca. 2,6 kg leicht
Koffer: orig. Guild Dark Brown Pebble Case (Kanten mit braunem Klebeband überzogen)
Zustand: vg

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